Das Umspannwerk macht seit hundert Jahren im Kern dasselbe: Energie aufnehmen, umspannen, schalten, schützen, weiterleiten. Was sich rasant ändert, ist die Architektur dahinter. OEMs, Energieversorger und neue Marktteilnehmer, die verstehen, wohin diese Transformation tatsächlich steuert, sichern sich einen überproportionalen Anteil an einem Markt, der längst in Bewegung ist.
Der Markt für IEC-61850-Umspannwerke erreichte 2024 weltweit 2,85 Milliarden US-Dollar und soll bis 2033 auf 5,29 Milliarden US-Dollar wachsen - mit einer CAGR von 7,1 %. Diese Zahl unterschätzt die Tiefe des strukturellen Wandels darunter. Virtualized Protection, Automation and Control - vPAC - wandert von Engineering-Piloten in die strategische Investitionsplanung. Der weltweite Markt für Umspannwerkautomatisierung insgesamt lag 2024 bei rund 34,8 Milliarden US-Dollar und wird bis 2030 auf 50,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Doch das dynamischste Teilsegment - softwaredefinierte Umspannwerksarchitekturen - wächst deutlich schneller, weil Energieversorger mit alternder Infrastruktur, der Komplexität der Integration erneuerbarer Energien und Cybersecurity-Pflichten konfrontiert sind, die sich nicht länger aufschieben lassen.
Dies ist der erste Artikel in der dreiteiligen Serie von PTR Inc zur Transformation des virtualisierten Umspannwerks. Hier zeichnen wir das vollständige Bild: Warum OEMs ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten, was Energieversorger in frühen Projekten tatsächlich verlangen und wo der Wechsel von CAPEX zu serviceorientierten Modellen gleichzeitig Chancen und Reibung erzeugt.
Säule 1: Strategiewechsel der OEMs - vom Gerätehersteller zum Serviceanbieter
Software-definiert ist jetzt der Kern der Wertschöpfung
Über weite Teile der letzten drei Jahrzehnte war ein Schutzrelais vor allem Hardware. Das Leistungsversprechen steckte im physischen Gerät - in Zulassungen, Typprüfungen, im Feldnachweis. Virtualisierung durchbricht diese Gleichung. Wenn Schutzfunktionen als Software auf Standard-IT-Servern (COTS) laufen, erodiert der Wettbewerbsvorteil rund um proprietäre Hardware.
Das ist keine ferne Bedrohung. Im Februar 2025 veröffentlichte LF Energy SEAPATH v1.0 - den ersten produktionsreifen Open-Source-Hypervisor für IEC-61850-Digitale-Umspannwerks-Automatisierungssysteme. SEAPATH[1] - Software Enabled Automation Platform and Artifacts Therein - ist eine hardware- und herstellerunabhängige Plattform, auf der vPAC-Applikationen für das Stromnetz laufen. Sie ist längst aus der Testumgebung in den Realbetrieb gewechselt: Der französische Übertragungsnetzbetreiber RTE betreibt seit über einem Jahr ein Umspannwerk, in dem mehrere Funktionen unter SEAPATH virtualisiert sind, und weitet den Einsatz nun aktiv aus.
Die Implikationen für OEMs sind unmittelbar. Wenn die Plattform Open Source und die Hardware Commodity ist, verschiebt sich die Differenzierung vollständig in die Software-Schicht - in die Qualität der Schutzalgorithmen, die Zuverlässigkeit des virtualisierten IED, die Cybersecurity-Stärke der containerisierten Applikation und das Service-Modell, das darum herum aufgebaut ist.
Siemens Energy positioniert sich bereits entsprechend neu. Das Angebot Siprotec V für virtuelle Schutztechnik entkoppelt die Schutzrelais-Funktionalität von Siemens-spezifischer Hardware. Das Segment Grid Technologies von Siemens Energy meldete für das Geschäftsjahr 2025 ein vergleichbares Umsatzwachstum von 25,4 %. Ein klares Signal, dass der Markt OEMs belohnt, die konsequent auf digital-fähige Architekturen setzen und Trends der Netzmodernisierung aktiv gestalten.
Cybersecurity rückt ins Zentrum
Cybersecurity ist keine optionale Zusatzschicht mehr, die man nachträglich an ein Umspannwerkautomatisierungssystem anflanscht. Für Early-Adopter-Energieversorger ist sie eine grundlegende Architektur-Anforderung - und speziell für europäische Versorger zunehmend auch eine regulatorische Pflicht im Rahmen der Digitalen Transformation von Energieversorgern.
Der EU Network Code on Cybersecurity verändert Beschaffungsprozesse tief hinein in die Vendor-Specification-Lists. Energieversorger fragen nicht mehr nur: "Hat Ihre Lösung Cybersecurity-Funktionen?" Sie fragen: "Können Sie eine Zero-Trust-Architektur nachweisen? Unterstützen Sie IEC 62351? Wie verhält sich Ihr System unter NIS2-Pflichten?" OEMs, die diese Fragen mit belastbaren Nachweisen - nicht mit Marketingtext - beantworten, schaffen es auf die Approved Vendor Lists.
Das Ausmaß der daraus resultierenden Investitionen in digitale Infrastruktur ist erheblich. Der EU Network Code on Cybersecurity dürfte bis 2028 rund 25.000 Digital-Twin-Implementierungen in europäischen Umspannwerken auslösen. Digitale Zwillinge sind hier nicht nur Visualisierungstools - sie sind Teil der Sicherheitsarchitektur für Cybersecurity in Umspannwerken, ermöglichen Simulation, Tests und Validierung von Änderungen, bevor diese in produktive Netzanlagen eingreifen.
Ökosystemgetriebene Innovation ist der neue Standard
Kein einzelner OEM kann den kompletten IT/OT-Konvergenz-Stack beherrschen. Das Ökosystem weiß das. Deshalb findet die entscheidende Arbeit rund um virtualisierte Umspannwerke heute in kollaborativen Gremien und Open-Standards-Organisationen statt - nicht in abgeschotteten Vendor-Roadmaps.
Der vPAC Alliance gehören inzwischen über 30 Partner an - darunter Red Hat, Advantech, Dell Technologies, Intel und Welotec -, die offene, interoperable, standardbasierte Architekturen für virtualisierte Protection-, Automation- und Control-Systeme (PAC) in Umspannwerken vorantreiben. Das Signal an Energieversorger ist deutlich: Ein standardbasierter Ansatz reduziert Vendor-Lock-in. Und Vendor-Lock-in zählt in PTRs Forschung mit über 50 Energieversorgern zu den drei größten Beschaffungssorgen bei der Bewertung virtualisierter Architekturen.
Auf der DISTRIBUTECH 2026 präsentierten Anbieter wie Crystal Group und Lanner IEC-61850-3-zertifizierte Server, die speziell für vPAC-Einsätze ausgelegt sind - gehärtete COTS-Hardware, die die Lücke zwischen IT-Serverfähigkeiten und den Umgebungsanforderungen im Umspannwerk schließt. Nokias Grid-Kommunikationsportfolio wächst in Richtung virtualisiertes Backhaul für Umspannwerke. Das Ökosystem formiert sich - und mit ihm neue Chancen für Forschung Stromnetz, Netzanalyse Strom und Digitale Netzeinblicke.
Säule 2: Nachfrage der Early Adopter - was Energieversorger wirklich wollen
Was Energieversorger sagen, dass sie wollen, und was sie am Ende tatsächlich in einer Ausschreibung freigeben, sind zwei unterschiedliche Dinge. PTRs Forschung mit über 50 Energieversorgern schneidet durch diese Lücke hindurch und liefert präzise Einblicke Energiesektor und Energieversorgermarkt Analyse.
Was PTRs Forschung berichtet hat: In unserer Umfrage unter mehr als 50 Versorgungsunternehmen rangieren drei Anforderungen bei der Bewertung virtualisierter Umspannwerkslösungen konstant vor allen anderen: Zuverlässigkeitsparität mit Legacy-Systemen, Datenhoheit vor Ort oder in hybriden Umgebungen, und herstellerunabhängige Architektur. Dies sind keine aspirationalen Präferenzen – es sind Beschaffungs-Voraussetzungen. OEMs, die sie als optional Add-ons betrachten, gelangen nicht auf die Spezifikationsliste.
Zuverlässigkeit ist nicht verhandelbar - und die Hürde liegt hoch
Energieversorger gehen bei Verfügbarkeit keine Kompromisse ein. "Null Kompromisse" ist keine Floskel, sondern spiegelt die vertragliche und regulatorische Realität beim Betrieb von Übertragungs- und Verteilnetzen wider. Jede Early-Adopter-Utility, die vPAC bewertet, stellt dieselbe Frage: Kann diese Plattform die Verfügbarkeitsgarantie des 20 Jahre alten Relais erreichen, das sie ersetzt?
Genau deshalb stoßen Anbieter in der Umspannwerkautomatisierung, die Virtualisierung allein mit Kostenvorteilen verkaufen, auf Widerstand. Das SLA-Gespräch muss zuerst kommen. Die SEAPATH-Architektur adressiert das direkt - ihr fehlertoleranter Drei-Knoten-Cluster sichert hohe Verfügbarkeit selbst bei Hardware- oder Softwarefehlern. Aber den Nachweis unter realen Netzbedingungen - nicht nur im Labor - müssen OEMs erst noch erbringen. Das ist die Glaubwürdigkeits-Schwelle, auf die Energieversorger warten.
Datensouveränität ist eine harte Grenze
Early-Adopter-Versorger verlagern operative Daten nicht in die Cloud. Aufgrund von Cybersecurity-Vorgaben, regulatorischen Rahmenbedingungen und echtem Risikomanagement liegt die Präferenz klar auf On-Premises- oder Hybrid-Architekturen mit strikten Zugriffskontrollen. Zero-Trust-Sicherheitsmodelle sind Erwartungshaltung, kein Premium-Feature.
Das hat direkte Folgen für OEM-Service-Modelle. Remote-Diagnose, Predictive Maintenance und KI-gestützte Netzanalyse Strom sind für Energieversorger realer Mehrwert - müssen aber in Architekturen eingebettet werden, die Datensouveränität respektieren. Die Analytik kommt zu den Daten, nicht umgekehrt. OEMs, die Service-Modelle für den Umspannwerksmarkt "Cloud-first" denken, scheitern an der Beschaffungshürde.
Skill-Gaps treiben die Nachfrage nach Services
Dies ist die Dynamik, die die meisten OEMs in ihrer Go-to-Market-Strategie noch nicht einpreisen: die IT/OT-Skill-Gaps der Energieversorger sind eine kommerzielle Chance. Wenn Umspannwerke softwaredefiniert werden, braucht das Engineering-Team, das 20 Jahre lang kupferverkabelte IEDs betreut hat, andere Fähigkeiten. Die meisten Versorger haben diese Skills nicht im nötigen Umfang im Haus.
Die Folge: Energieversorger verlassen sich zunehmend auf Anbieter für anspruchsvolles Troubleshooting, Integrationssupport, Validierungstests und kontinuierliche Schulung - ein klassischer Hebel der Trends Netzmodernisierung. Genau dieses serviceorientierte Engagement-Modell ist das Zielbild erfolgreicher vPAC-OEMs. Die Skill-Lücke ist kein Hindernis für die Einführung - sie ist der Mechanismus, der den einmaligen Hardware-Verkauf in eine wiederkehrende Service-Beziehung verwandelt.
Digitale Zwillinge werden zur Beschaffungsanforderung
"Simulate before you operate" etabliert sich als Standard der Versorger bei der Inbetriebnahme virtualisierter Umspannwerksfunktionen. Der Betrieb eines Digitalen Zwillings des Umspannwerks - Test von Schutzeinstellungen, Validierung von Firmware-Updates, Training für Ingenieure auf neuen Architekturen - adressiert die Zuverlässigkeitsfrage direkt. Wenn im Digitalen Zwilling etwas schiefgeht, fällt kein Leistungsschalter in einer realen Höchstspannungsleitung.
Das kombinierte Marktpotenzial von Digitalem Zwilling Umspannwerk und Edge-Computing im Umspannwerkskontext wird bis 2026 auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Entscheidender für OEMs: Versorger, die den Digitalen Zwilling in ihre Spezifikation schreiben, nutzen ihn faktisch als Vendor-Filter. Wenn Ihre vPAC-Lösung keine Simulations- und Testumgebung umfasst, sind Sie in diesen Ausschreibungen nicht wettbewerbsfähig.
Nutzen Sie das folgende Tool, um einzuordnen, wo ein Energieversorger - oder das von Ihnen adressierte Versorgersegment - auf der Virtualisierungs-Adoptionskurve steht und welche Digitalen Netzeinblicke relevant werden:
Säule 3: Der Wandel des Geschäftsmodells - von CAPEX zu serviceorientiertem Engagement
Der finanzielle Case ist stark - aber differenziert
Das TCO-Argument für virtualisierte Umspannwerke ist real und gut dokumentiert:
- 60-70 % weniger Hardware-CAPEX durch Server-Konsolidierung - mehrere dedizierte IEDs werden durch Software-Instanzen auf gemeinsamer Rechenplattform ersetzt
- 40-50 % kombinierte CAPEX/OPEX-Reduktion in Erstjahres-Deployments, in denen Erneuerungszyklen der Legacy-Hardware zusammentreffen
- 35-45 % niedrigere Total Cost of Ownership über einen Zeitraum von 10-15 Jahren
| Dimension | Traditionelle hardwarezentrierte Unterstation | Virtualisierte / Software-definierte Unterstation |
|---|---|---|
| Architektur | Dedizierte proprietäre IEDs pro Funktion | Softwarefunktionen auf Standard-COTS-Servern |
| Upgradepfad | Hardware-Austauschzyklen (10-20 Jahre) | Fern-Software-Updates und Patches |
| Herstellerabhängigkeit | Hoch – Funktion an OEM-Hardware gebunden | Geringere – Offene Standards (IEC 61850, vPAC) |
| Flächenbedarf | Großes physisches Panel, umfangreiche Kupferverkabelung | Kompaktes Serverrack, faserbasierter Prozessbus |
| Cybersicherheit | Perimeterbasiert; begrenzte Überwachung | Zero-Trust, integrierte Sicherheit, Echtzeit-Überwachung |
| CAPEX/OPEX-Modell | Hoher anfänglicher CAPEX; geringere laufende OPEX | Geringeres CAPEX (-60-70%); Abonnement-/Service-OPEX |
| Unterstützung durch digitalen Zwilling | Keine oder sehr begrenzte | Integrierte Fähigkeit zum Simulieren vor dem Betrieb |
| IT/OT-Konvergenz | Silo OT-Domäne | Integriertes IT/OT mit Unternehmensdatenflüssen |
| Typische TCO-Reduktion | Ausgangsbasis | 35-45% geringere Gesamtkosten im Lebenszyklus |
Diese Zahlen überzeugen in Engineering-Teams und in der Beschaffungsanalyse. Der Widerstand entsteht im Boardroom - weil die meisten Regulierungsrahmen für Versorger auf CAPEX-Refinanzierung ausgelegt sind. Ein OPEX-basiertes Subskriptionsmodell für Schutzfunktionen ist für viele Energieversorger eine völlig neue Beschaffungskategorie und erfordert intern einen anderen Business Case als der Kauf klassischer Hardware.
Die praktische Konsequenz: OEMs, die vPAC-Lösungen anbieten, dürfen nicht davon ausgehen, dass sich das Finanzmodell von selbst verkauft. Die Commercial-Teams müssen mit den Versorgern gemeinsam den Wert in TCO-Begriffen neu rahmen - nicht nur als jährlichen Kostenvergleich. In einem PTR-Advisory-Projekt mit Lösungsanbietern im Bereich Umspannwerkautomatisierung zeigt sich dieser Punkt immer wieder als zentrales Go-to-Market-Defizit: Anbieter mit starken technischen Produkten, denen die kommerzielle Story für OPEX-basierte Beschaffung fehlt.
Die Adoptionskurve ist real - und segmentiert
Nicht alle Energieversorger bewegen sich im selben Tempo. Wer den Markt als homogen behandelt, setzt Sales- und Marketing-Budget an der falschen Stelle ein. Die Adoptionskurve, die PTR in seiner Forschung Stromnetz und Energieversorgermarkt Analyse beobachtet, teilt sich in drei Segmente:
Early Adopters (Übertragungsnetzbetreiber, große Verteilnetzbetreiber mit Innovationsprogrammen): Bereits in Pilotprojekten oder früher Produktion. RTE in Frankreich ist das prominenteste Beispiel. Diese Versorger definieren, wie "produktionstaugliches vPAC" aussieht, und prägen aktiv das Standardisierungsumfeld - etwa über die vPAC Alliance und LF Energy. Für OEMs sind das Referenzkunden-Chancen.
Transformationsbereite Versorger (mittelgroße Utilities mit klaren Netzmodernisierung-Mandaten): Bewerten vPAC ernsthaft, meist mit einem Zeithorizont von 2-4 Jahren. Die zentralen Hürden: Cybersecurity-Validierung, Skills und das Beschaffungsmodell. Diese Käufer konsumieren technische Inhalte, besuchen DISTRIBUTECH und Enlit, bauen interne Business Cases auf und suchen gezielt nach Regulatorischen Netzeinblicken. Sie reagieren auf Evidenz - Case Studies, belastbare Zuverlässigkeitsdaten, transparente TCO-Analysen.
Versorger in der Aufbauphase (kleinere Regionalversorger, Unternehmen in regulatorischer Transition): Bewerten vPAC noch nicht aktiv, planen aber eine IEC-61850-Migration, die sie in 5-7 Jahren für Virtualisierung positioniert. Für OEMs ist dies vor allem das Content-Publikum - hier geht es darum, früh Aufmerksamkeit aufzubauen, damit man bei Start der Beschaffungsdiskussion bereits auf dem Radar ist.
Strategische Implikationen: Drei konvergierende Kräfte
Auf Basis der PTR-Forschung und direkter Zusammenarbeit mit Energieversorgern und Lösungsanbietern in diesem Umfeld lassen sich drei Kräfte identifizieren, die in den nächsten fünf Jahren bestimmen werden, wer im Markt für virtualisierte Umspannwerke gewinnt:
1. Service-zentrierte Differenzierung entscheidet über Marktanteile
Die durch SEAPATH und die vPAC Alliance beschleunigte Hardware-Kommoditisierung bedeutet: Produktspezifikationen allein gewinnen keine Ausschreibungen mehr. Die erfolgreichen OEMs sind diejenigen mit glaubwürdigen Service-Modellen - Managed Protection Services, Remote-Diagnose mit garantiert gewahrter Datensouveränität, validierte Migrationspfade von Legacy-IED-Architekturen und Trainingsprogramme, die Skill-Gaps konkret schließen. Das ist keine Software-Funktion - es ist eine kommerzielle und operative Transformation, eng verknüpft mit Digitale Transformation Energieversorger.
2. Cybersecurity und Daten-Governance sind Grundlage, nicht Differenzierungsmerkmal
Ein feiner, aber wichtiger Unterschied: Cybersecurity-Fähigkeit ist kein "Nice-to-have", das Anbieter voneinander absetzt - sie ist eine Eintrittshürde. Wenn Ihre vPAC-Lösung IEC 62351, Zero-Trust-Architektur sowie EU-NIS2 und den Network Code on Cybersecurity nicht nachweislich erfüllt, sind Sie gar nicht erst in der engeren Wahl. Implikation für OEMs: Hören Sie auf, Cybersecurity als Premium-Add-on zu vermarkten, und stellen Sie sie als architektonisches Grundprinzip dar.
3. Simulation und KI-gestützte Analytik werden langfristige Wertschöpfung treiben
Digitale-Zwilling-Fähigkeiten sind heute bereits Beschaffungsvoraussetzung in führenden Utility-Ausschreibungen für Umspannwerkautomatisierung und Netzmodernisierung. In drei Jahren werden sie Commodity. OEMs, die jetzt robuste Simulationsumgebungen für Digitale Zwillinge im Umspannwerk aufbauen und darauf Predictive Analytics sowie KI-gestützte Fehleranalyse legen, schaffen sich einen belastbaren Wettbewerbsvorteil im Service-Modell. Die PTR-Forschung zu KI im Stromnetz zeigt, wie diese Fähigkeiten entlang der Grid-Technologie-Landschaft reifen - und wie schnell sie mit vPAC-Architekturen konvergieren.
Fazit
Virtualisierte Umspannwerke sind längst über das Stadium der "interessanten Idee" hinaus. Sie laufen produktiv bei Übertragungsnetzbetreibern, werden von vorausschauenden Energieversorgern aktiv spezifiziert und treiben eine grundlegende Neuausrichtung der OEM-Geschäftsmodelle - vom Gerätehersteller zum Serviceanbieter.
Die Versorger, die diese Transformation anführen, warten nicht darauf, dass die Technologie "noch reifer" wird - sie definieren Reife über ihre Beschaffungsanforderungen und Digitale Netzeinblicke. Die OEMs, die den Markt gewinnen, sind nicht diejenigen mit den beeindruckendsten Relais-Datenblättern, sondern diejenigen, die das Beschaffungsverhalten von Utilities verstehen, Service-Modelle aufgebaut haben, die Datensouveränität respektieren, und Zuverlässigkeit im realen Netzbetrieb nachweisen können.
PTR hat über 50 Energieversorger befragt, um genau zu verstehen, wie sie Anbieter in diesem Feld recherchieren und bewerten - eine Forschung Stromnetz, die direkt in Markteintrittsstrategien, Content-Strategie und Positionierung auf Approved-Vendor-Lists einfließt. Wenn Sie als Lösungsanbieter den Markt für virtualisierte Umspannwerke adressieren, existieren diese Einblicke bereits - die Frage ist, ob Sie sie nutzen.
Häufig gestellte Fragen
What is a virtualized substation (vPAC)?
Eine virtualisierte Umspannstation trennt Schutz-, Automatisierungs- und Leittechnik-Funktionen von dedizierter proprietärer Hardware und führt sie als Software auf Standard-COTS-Servern aus, die dem IEC 61850-Kommunikationsstandard entsprechen. Dies wird oft als Virtualized Protection, Automation and Control (vPAC) bezeichnet.
What is the IEC 61850 standard and why does it matter for virtualization?
IEC 61850 ist der internationale Kommunikationsstandard für die digitale Umspannwerk-Automatisierung. Er ermöglicht die Interoperabilität zwischen Geräten verschiedener Hersteller – eine Voraussetzung für die herstellerunabhängigen, softwaredefinierten Architekturen, die Virtualisierung erfordert. Der IEC 61850-Umspannwerk-Markt erreichte im Jahr 2024 2,85 Mrd. USD und soll bis 2033 auf 5,29 Mrd. USD wachsen.
What is SEAPATH and who is behind it?
SEAPATH (Software Enabled Automation Platform and Artifacts Therein) ist ein produktionsreifes Open-Source-Hypervisor, der im Rahmen der Digital Substations Special Interest Group von LF Energy entwickelt wurde. Veröffentlicht als Version 1.0 im Februar 2025, bietet es eine hardware- und anbieterunabhängige Plattform zum Betrieb von vPAC-Anwendungen in IEC 61850-Umspannwerken. Zu den Mitwirkenden gehören RTE, GE Vernova, Alliander, ABB, Red Hat und Enedis.
What are the main barriers to utility adoption of virtualized substations?
Die drei Hauptbarrieren, die PTR aus der Versorgungsforschungsarbeit identifiziert, sind: (1) Zuverlässigkeit – Virtualisierung muss die Verfügbarkeitsgarantien traditioneller Architektur erfüllen oder übertreffen; (2) Cybersicherheit und Datenhoheit – Versorgungsunternehmen sind äußerst vorsichtig bei Cloud-Exposition und dem Zugriff von Anbietern auf betriebliche Daten; und (3) Qualifikationslücken – IT/OT-Konvergenz erfordert Fähigkeiten, die die meisten Versorgungsingenieurteams im Haus noch nicht haben.
How does the CAPEX-to-OPEX shift affect utility procurement processes?
Viele regulatorische Rahmenbedingungen im Versorgungswesen wurden rund um CAPEX-Rückfluss-Modelle gestaltet, wodurch abonnementbasierte OPEX-Preismodelle auf Vorstandsebene schwerer zu genehmigen sind. Dies bedeutet, dass die finanzielle Begründung für Virtualisierung sorgfältig formuliert werden muss – mit Schwerpunkt auf einer TCO-Reduktion von 35–45% und verzögerten Hardwareausgaben statt einer einfachen CAPEX-zu-OPEX-Umstellung.
What is the vPAC Alliance?
Die vPAC Alliance ist ein Branchenkonsortium von über 30 Partnern – darunter Red Hat, Advantech, Dell Technologies, Intel und Welotec – das offene, interoperable und standardsbasierte Software-definierte Architekturen für Umspannwerks-PAC-Systeme vorantreibt. Es arbeitet parallel zum SEAPATH-Projekt, wobei beide Bemühungen auf offene, herstellerunabhängige Virtualisierungstandards hinarbeiten.




